Grundberührung

Skippertricks

...clevere Kniffe erfahrener Yachtskipper

 

Grundberührung und Strandung

Das ungewohnte Schiff, eine unbekannte Umgebung, das mächtige Zusammenwirken der Naturgewalten Wind und Wasser versetzen auch erfahrene Skipper in eine gewisse Spannung. Auch, wenn man "alles richtig" macht, kann es durch unerwartete Umstände und auch eigene Fehler oder nur der Summe kleiner vorangegangener "Fehlerchen" zur Havarie kommen.

Kleine Beschädigungen wie Kratzer oder auch mal eine Beule im GFK zählt man noch nicht zur Havarie, sondern davon spricht man erst, wenn die Yacht durch äußere Einwirkungen unbenutzbar geworden ist. Dabei kann so etwas schnell passieren, schneller, als man sich so vorstellt.

Gefahr einer Havarie abwenden

Befassen wir uns mir den möglichen Ursachen

Wenn eine Yacht auf Grund gelaufen ist, besteht Gefahr, dass Sie Wasser nimmt.

Der erfahrene Skipper wird also sofort, wenn das Wetter es zulässt, jemanden mit einer Taucherbrille ins Wasser schicken, der den Rumpf und das Ruder soweit möglich in Augenschein nimmt. Natürlich ist der Motor dabei aus und der Taucher ist gesichert.

Gleichzeitig geht man nach innen und hebt sämtliche Bodenbretter heraus, beobachtet, ob irgendwo Wasser eindringt. Sollte das der Fall sein, kann man mit den elektrischen Bilgenpumpen meistens das Schiff über Wasser halten und möglichst direkt den nächsten Hafen ansteuern.

Ist kein Hafen in der Nähe (Karibikinseln, Südsee), kann man erwägen, das Schiff gezielt an einem Sandstrand aufzusetzen, was im Spielerischen "Beachen" genannt wird und für flachgehende Kielschwertyachten und Katamarane möglich ist, kann man mit Schwung aus Segeln oder Maschine mit einer Kielyacht auch hinbekommen. Dann liegt die Yacht am Strand und kann evtl. höher gezogen und abgedichtet werden. Dabei ist Vorsicht bei Brandung geboten: auflaufende Wellen, schon kleinere heben das tonnenschwere Schiff und lassen es jedesmal wieder auf den Strand krachen - schon wenige Zentimeter können den Rumpf binnen kürzester Zeit zerstören. Daher wird der erfahrene Skipper für ein solches Notmanöver eher eine Leeküste mit ablandigem Wind und wenig Welle am Ufer wählen, und zudem versuchen, so schnell wie möglich das Schiff höher auf´s Trockene ziehen zu lassen.

 

Ist kein Land in Sicht und besteht die Gefahr des Sinkens, muß die Crew die Rettungsinsel klarmachen, und alle notwendigen sonstigen Notfallmaßnahmen ergreifen.

Dazu gehört auch der Notruf und alles, was man sonst - hoffentlich vorher und ausführlich - besprochen hat. Man sollte aber auf jeden Fall BEIM SCHIFF bleiben - jeweils ein Crewmitglied wird mit scharfem Messer beauftragt, nötigenfalls die Verbindungsleine zur Yacht zu kappen, aber bis dahin bleibt das Schiff und die Rettungsinsel verbunden. Nicht selten wurden schon halbversunkene, aber noch wochenlang treibende Yachten gefunden, aber die Crews sind teilweise bis heute verschwunden!

Es schmerzt jede Seglerin und jeden Segler, wenn man sich solche Bilder ansehen muss.Insbesondere, wenn mit der Grundberührung und Strandung womöglich stundenlang das Schiff gegen die Felsen geschmettert wird, um letztendlich unterzugehen, und man dabeisteht und nichts machen kann, womöglich als Eigner, tut das weh. Man kann andererseits in solch einer Situation froh sein, wenn die Crew und man selbst unbeschadet vom Schiff kommt. Den Rest regelt die - hoffentlich vorhandene - Yachtversicherung, z.B. von Pantaenius. Ursachen können vielfältig sein: ein Sturm und man gerät in eine Legerwallsituation, Mast- und/oder Segelbruch, Maschinenausfall, Ruderbruch, oder schlichtweg Nachlässgkeit: nicht wenige Skipper landeten auf einem Riff, weil sie eingeschlafen waren und den Kurs (des Autopiloten) nicht beachteten. Auch ein slippender Anker oder ein gebrochenes Bojentau haben schon manche Yacht auf´s Land getrieben. Jede Unfallsituation ist anders, und es ist schwieirg, über die übliche nautischen Skipper-Vorsichtsregeln und üblichen Überwachungen und Semannschaft hinaus dieses und jenes - immer hinterher - besser zu wissen, als derjenige, den es getroffen hat.

An Land getrieben - Schiff untergegangen

Eher als eine Legerwallsituation ist in einem plötzlichen, unerwartet starken Gewitter oder einem Sturm damit zu rechnen, dass der Anker slippt oder die Boje nicht hält. Häufig werden dann Yachten unmittelbar auf die dahinterliegende Küste, die meist auch aus Steinbrocken besteht, gedrückt und beschädigt.

Kommt es zu einer Kollision mit der Küste, ist äußerste Vorsicht geboten, wenn man das Schiff verlassen will!

Man kann versuchen, auf der abgewandten Seite ins Wasser springen und etwas entfernt an Land schwimmen, oder mittels des Schlauchbootes rüberzufahren.

Wenn das Schlauchboot an einer langen Leine befestigt ist, kann es die Crew zurückziehen und der Nächste kann ebenso an Land gelangen. Nicht versuchen, zwischen Schiff und Felsen überzusteigen! Rutscht man beim Übersteigen ab und gerät zwischen das Schiff und die Felsen, ist man mindestens schwerverletzt, eher tot!

Vielleicht kommt man auf die Idee, das Schiff retten zu wollen, wenn die auflandige Welle nicht so stark ist, und man hofft, dass sie nachlässt.

Man kann versuchen, mittels Fendern, Kojenmatratzen, Fenderbrettern usw. die von Felsen gefährdete Yachtseite abzupolstern, aber niemals solle man versuchen, die Yacht selbst abzuhalten oder womöglich mit Körperkraft dagegenzudrücken!

Eine dazwischengehaltene Hand oder Arm ist ...ab oder lebensgefährlich gequetscht! Man kann immer wieder auch in Häfen bei Hafenmanövern sehen, wie die Leute die auftretenden Kräfte völlig unterschätzen!

Erstens schafft man das ohnehin nicht und wenn man abrutscht und zwischen Schiff und Felsen gerät, ist das das sichere Todesurteil, denn die Wellen schlagen das tonnenschwere Schiff mit voller Wucht auf den Felsen!

Man sollte immer bedenken: auch eine gerade im Schredder befindliche Yacht ist NUR PLASTIK... und zudem meist versichert.

 

Eindampfen in die Heckleinen

 

Wenn eine Yacht im Hafen oder der Bucht vor Anker liegt, der hält aber nicht und man wird durch Wind und Welle nach hinten gedrückt, kann man durch Eindampfen in die Heckleinen das Schiff meist stabil von der Kaimauer oder den Felsen entfernt halten.

Bevor man den ersten Landkontakt verspürt, macht man den Motor an und gibt bei geradegestelltem Ruder soviel Gas, dass das Schiff stabil in den Heckleinen hängt.

Das hat den Vorteil, dass der Druck vom Anker genommen wird, und man nicht weiter nach hinten treibt. Man kann dann versuchen, per Dinghi einen 2.Anker auszubringen. Lässt das Gewitter oder der Sturm nach, kann man das Ankermanöver neu fahren.

 

Hinsichtlich des Ankers muss man situativ entscheiden:

wenn der Anker slippt kann man durch Einholen der Kette versuchen, ob man vielleicht Glück hat, und der Anker sich unter Wasser irgendwo verfängt, an einem Felsen hängenbleibt oder sich gut eingräbt.

Gelingt das nicht, und man hat plötzlich den Anker oben, muss man die Heckleinen loswerfen und ablegen. Verschwenden sie keine Gedanken oder Zeit an die Heckleinen. Die neu zu beschaffen kostet nicht die Welt, vielleicht kann man die auch nach dem Gewitter oder auch erst am nächsten Tag holen.

Immer wieder sieht man jedoch unerfahrene Skipper oder Crews, die in haarsträubenden Situationen nichts Besseres zu tun haben, als mit dem kibbeligen Dinghi in großen Wellen an Land zu fahren, dort oft lebensgefährliche akrobatische Einlagen zu vollführen, nur, um eine Heckleine einzusammeln!

 

Hier wird der erfahrene Skipper immer erst Leib und Leben seiner Crew und das unbeschädigte Schiff im Fokus haben. Im größten Stress wird erstmal abgelegt und weiter draußen beim Kreise fahren in Ruhe überlegen, was man machen könnte, ob man das machen soll oder muss, oder was die auf jeden Fall sicherere Verhaltensweise in der aktuellen Situation ist!

In den allermeisten Fällen wird dies keinesfalls die gefährlichste Variante sein!